Frauen und Männer erhalten für die gleiche Arbeit immer noch einen unterschiedlichen Stundenlohn, Frauen verdienen dabei in der Regel immer weniger. Das klingt ungerecht? Allerdings, und es beweist, dass es Frauen im Job auch in heutigen Zeiten um einiges schwerer haben als ihre männlichen Mitstreiter.

Der Equal Pay Day und der Gender Pay Gap

Das Statistische Bundesamt beziffert den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied in Deutschland aktuell auf 21 Prozent. Der Bruttostundenverdienst von Frauen klafft also deutlich mit dem Verdienst, den Männer für ihren Job erhalten, auseinander. Dieses sind umgerechnet 77 Tage. Also theoretisch 77 Tage, die Frauen in ihrem Job für lau schuften, während Männer ab dem 01. Januar bezahlt werden. Eine schreiende Ungerechtigkeit, auf die der Equal Pay Day hinweist. Ins Leben gerufen wurde die Idee des Equal Pay Days durch die amerikanischen Business and Professional Women (BPW). Die Red Purse Campaign, ein Sinnbild für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen, ist der Grundstein für den Equal Pay Day.

Gründe für den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied

Forscher führen für diese Differenz oft altbekannte Gründe an. Frauen und Männer neigen dazu, bei ihrer Berufswahl zu traditionellen Berufsbildern zu greifen. So wählen Frauen gerne Berufe im Dienstleistungssektor, in dem niedrige Löhne vorherrschen. In technikaffinen Berufen muss man hingegen schon genau hinsehen, um die weiblichen Mitarbeiter zu finden. Sie kommen also auch nicht so häufig in den Genuss eines höheren Lohnniveaus. Auch ist es meist die Frau, die sich um den Nachwuchs kümmert, auch wenn Männer mittlerweile schon eher zugunsten der Kinder auf eine steile Karriere verzichten als noch vor einigen Jahren. Teilzeitjobs werden eher von Frauen ausgeführt, denn fast die Hälfte der Angestellten arbeitet in Teilzeit. Doch selbst wenn man diese Faktoren herausrechnet, bleibt eine Ungleichheit erhalten.

Die bereinigte Lohnlücke

Schaut man auf vergleichbare Tätigkeiten und Qualifikationen, so kommt man immer noch auf eine Lohnlücke von sieben Prozent. Diese Lohnlücke hat sich in den letzten Jahren eher geweitet als geschlossen – 2014 betrug sie noch sechs Prozent. Als Frau kann ich davon ausgehen, dass mein Kollege, welcher vielleicht sogar geringer qualifiziert ist als ich, einen höheren Betrag für gleichwertige Arbeit auf seinem Konto gutgeschrieben bekommt. Und ein Ende dieser Ungleichheit ist nicht in Sicht.

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Frauen in Führungspositionen

Und wie ist das Geschlechterverhältnis in den deutschen Konzernen verteilt? Nun, auch hier herrscht eine eindeutige Männerdominanz. In den Spitzen der deutschen Unternehmen beträgt der Männeranteil 93 Prozent. Mittlere und kleine Unternehmen entwickelten sich sogar rückständig, hier sank der Frauenanteil noch gegenüber dem letzten Jahr. Da die seit Anfang 2016 gesetzlich geltende Frauenquote keine Vorstände, sondern nur Aufsichtsräte betrifft, müssen sich deutsche Unternehmen nur mit wenigen Vorschriften auseinandersetzten. In den Vorständen der 160 Dax-Unternehmen liegt die Frauenquote momentan bei sieben Prozent. Wenn diese Entwicklung sich in diesem Trend fortsetzen würde, kämen wir im Jahr 2055 auf ein einigermaßen ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Etwas Geduld ist also angebracht.

Arbeitslosigkeit von Frauen

Bei der Arbeitslosenquote von Frauen gibt es gute Nachrichten. Denn diese lag im Jahr 2016 mit 5,8 Prozent sogar unter der Quote der arbeitslosen Männer (6,4 Prozent). So liegt sie das achte Mal in Folge unter der Arbeitslosenquote von Männern, wenn auch nur knapp. Gerade in den 1990-er Jahren war Arbeitslosigkeit ein eher weibliches Problem, was vor allem auf die hohe Frauenarbeitslosigkeit im Osten zurückzuführen war. Ein Grund für die positive Entwicklung ist, dass der Dienstleistungssektor stetig wächst, und damit vielen Frauen einen Job bietet.
Vergleicht man allerdings die Zahlen der Alleinerziehenden ohne Job, so trifft man wieder auf ein weibliches Problem. Denn hier sind es oft die Frauen, welche die alleinige Verantwortung für ein oder auch mehrere Kinder übernehmen. Aus diesem Grund ist der Anteil der alleinerziehenden Mütter ohne Job auch zehn Mal höher als der Anteil der arbeitslosen alleinerziehenden Männer.

Die Arbeitswelt ist weit entfernt von der Gleichstellung von Männern und Frauen, auch wenn das Grundgesetz diese in allen gesellschaftlichen Bereichen fordert. Das Tempo, in dem sich Politik und Gesellschaft entwickelt, ist nicht ausreichend, um zufriedenstellende Bedingungen für Frauen im Job zu schaffen. Also weg mit der angezogenen Handbremse, dann hat die Arbeitswelt eine Chance, ein Ort der Gleichberechtigung für beide Geschlechter zu werden.

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